Tolkemiter Nachrichten - Ausgabe Weihnachten 2011 - Folgeseite 1

Erinnerungen an Probst Hubert Austin - Fortsetzung von Seite 1

Die obigen Fotos zeigen:
1) Kirchenvorstand mit Probst Austen vor dem Kindergarten "Sonnenschein"
am Elisabeth-Krankenhaus
2) Bischof Maximilian Kaller, Probst Austen und Kaplan Dr. Börig auf dem
Marktplatz auf dem Weg zur Kirche
3) Tolkemiter Jungfrauenvereinigung mit Probst Austen
4) Kindergarten 1927 - 1929 Probst Austen und Schwester Vita im Jahr 1935

Erinnerungen an Lehrer Theophil Beust
Wie Rulf Pillukat in seinem Beitrag über Theo Beust und die Spiele auf der Freilichtbühne in Tolkemit berichtet, wurde er mit 34 Jahren als Lehrer und Organist der Evangelischen Kirche "Zum Kripplein Jesu" nach Tolkemit berufen. Beust wurde am 18.10.1900 in Ljuhs/Südbrasilien geboren. Er studierte in Danzig Architektur und kam 1927 nach Elbing zum städt. Hochbauamt. Sein Hobby war jedoch die Musik. In Elbing war er in einer Nebentätigkeit Organist und leitete Kirchenchöre.

Er entschloß sich dann, seinen Beuf zu wechseln. In den Jahren 1929 - 1931 studierte Beust an der Pädagogischen Akademie in Elbing auf das Lehramt und war im Anschluß in mehreren Schulen als Musiklehrer und in der Paulus-Gemeinde Elbing-Pangritz als Organist und Leiter des Kirchenchores tätig.
Aber erst nach dem Bau einer Freilichtbühne entfaltete Theo Beust in Tolkemit seine ganze künstlerische Kraft. Er stand in drei aufeinander folgenden Jahren von 1937 bis 1939 mit den von ihm selbst geschriebenen Laienspielwerke - "Zeitenwende-Schicksalswende", "Der Gänsedieb" und "Die zertapzten Schuhe" - verantwortlich auf der Bühne, hoch über dem Haffufer am Galgenberg. Die Aufführungen fanden vor einer großen Zuschauerkulisse statt und die Begeisterung wurde immer schnell von den Akteuren auf die Zuschauer übertragen. Die Freilichtbühne, in ganz kurzer Zeit von vielen Tolkemiter Männern in Eigenleistung erstellt und die Spiele danach, waren schon eine außerordentliche Leistung.
Durch den Beginn des Krieges wurde die erfolgreiche Entwicklung der Tolkemiter Freilichtbühne abrupt beendet. Theo Beust wurde eingezogen und kam Ende des Krieges in russische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr lebte er in Eisenach/Thüringen und verstarb am 27. Juni 1976.

Die Fotos zeigen Szenen und Zuschauer die drei Stücke betreffen.
Die nachfolgenden Bilder Zeigen: 1 u. 2) Jugendherberge mit Freilichtbühne im Bau
3) Jugendherberge brennt im Januar 1945
4) Jugendherberge heutiger Zustand.

Tolkemiter Nachrichten 2011 Seite 4

Auszüge aus der Feuerwehr-Zeitung 1930-1933
Tolkemit, am Donnerstag, den 4. Dezember vormittags 1/2 12 Uhr meldete C a d i n e n beim hiesigen Magistrat (Feuermeldestelle) daß auf ihrem Vorwerk Kikelhof ein größeres Insthaus brenne, zugleich Löschilfe erbittend. Schon um 3/4 12 Uhr rückte unsere automobile Motorspritze ab und fand den Dachstuhl brennend vor. Flammen schlugen bereits zwischen den beiden Schornsteigen heraus. Die Cadiner Handdruckspritze arbeitete schon fleißig. Nach wenigen Minuten gab die Motorspritze aus einem ganz nahe liegenden - leider sehr verschlammten Teiche - den Brand kräftig niederdrückend. Die Bekämpfung des Feuers wurde sehr erschwert durch die auf dem Boden lagernden mannigfachen Vorräte (Getreide, Mehl, Spreu, Laub). Nach etwa 20 - 25 Minuten Arteit mußten wir unsere Spritze anhalten, da das Kühlungswasserrohr durch Schlamm verstopft worden war. In diesem Augenblick traf auch die von Cadinen gleichfalls erbetene Überland-Motorspritze ein und schloß sofort an unseren B-Schlauch an. Nach etwa 1/4 Stunde nahm unsere Spritze die Löscharbeit wieder auf. Bald aber mußte Elbing nochmals einspringen. Bei uns lag der Übelstand einfach in dem schlammigen Teichwasser. Die Cadiner Spritze mußte auch mehrere Male ihren Saugkorb reinigen. Leider war der Brand beim eintreffen des Löschzuges soweit fortgeschritten, daß der ganze Dachstuhl dem Feuer zum Opfer fiel. Erst um 3 Uhr nachmittags konnte unser Löschzug abrücken.

Großfeuer. Die Freiwillige Feuerwehr T o l k e m i t wurde zu einem Feuer bei dem Aussiedler Zaske gerufen. Es gelang ihr, den unteren Teil des Stalles und das Wohnhaus zu halten.. Vielstündige schwere Arbeit mußte geleistet werden. Eine Verhaftung wegen vorsätzlicher Brandstiftung ist inzwischen erfolgt.

Westpreußischer Feuerwehr-Verband
Auszeichnungen: Das Erinnerungszeichen für Verdienste um Feuerwehrwesen haben vom Preußischen Minister des Inneren namens des Preußischen Staatsministeriums die Kameraden Lindenau, Sakowski, Nickel, Andreas und Franz Zimmermann, Kalender, Lewark, Berger, Lange, Lingner, Kolberg, Schrade, Lindner und Braun aus Tolkemit, Robert und Konrad Schilke, Giebert, Steinau; Neumann, Kobilke, Schreiber und Zaremba aus Gr-Peterwitz Choinaki aus Dt-Eylau, Herbst aus Riesenburg und Thier aus Marienburg erhalten. Wir gratulieren!

Jubiläum. Am 20. Januar 1908 wurde die Freiwillige Feuerwerhr
T o l k e m i t als erste des Landkreises Elbing von Bürgermeister Wippich
gegründet. In durchaus würdiger Weise gedachte die Wehr der 25. Wiederkehr dieses Tages, am 19. Januar 1933. Viele Gäste waren der Einladung gefolgt. Den Willkommensgruß entbot der Vorsitzende der Wehr, Bürgermeister Kalinowski. Mit anerkenenden Worten gedachte er besonders des vor kurzem verstorbenen Ehrenoberbrandmeisters Lettau. Vor dem eigentlichen Festakte wurde die Generalversammlung abgehalten. Den Jahres- und Kassenbericht erstattete Lehrer Braun. Im letzten Jahre sind drei Brände zu verzeichnen gewesen., der letzte war der größte. Er gab die Veranlassung zum Bau eines Wasserbeckens für 500 Kubikmeter. Lölbliche Arbeit hat die Wehr auch bei einer Überschwemmung geleistet. Die Wehr zählt 45 aktive und 60 passive Mitglieder. Der Etat wurde mit 500 M in Einnahme und Ausgabe festgestellt. Die Vorstandswahlen ergaben nur geringe Änderungen. Den eigentlichen Festakt verschönte der Männergesangverein Tolkemit durch mehrmaligen Vortrag verschiedener Chöre in geradezu mustergültiger Weise. Bürgermeister Kalinowski gab einen Rückblick auf die verflossenen 25 Jahre im Vereinsleben der Wehr, wie auch in ihrem edlen Wirken. Landrat Eichorius überreichte nach längeren anerkennenden Worten 14 Kameraden , die der Wehr seit der Gründung angehören, das Erinnerungszeichen für Verdienste für das Feuerlöschwesen und als Ehrengabe der Kreisverwaltung 200 M. Die Glückwünsche des Westpreußischen Feuerwehrverbandes übermittelte der Verbandsvorslitzende, Brandirektor Behrendt, Marienburg unter Überreichung der 4. Litze und des Ehrenzeichens des Preußischen Landes-Feuerwehrverbandes. Eine sehr große Anzahl von mündlichen Gratulationen folgte. Nach Überführung einer Anzahl von Kameraden in die Ehrenabteilung und dem Schlußwort des Vorsitzenden begann der gemütliche Teil mit einem Erbsenessen. . Allgemeine Gesänge, Vorträge des Männergesangvereins und Darbietungen des Männerturnvereins und Einzelvorträge wechselten miteinander ab. Zu früh schlug die Abschiedsstunde besonders für die auswärtigen Gäste.

Großfeuer in Tolkemit. Ein Blitzstrahl traf eine der acht dicht nebeneinander liegenden Scheunen, im Augenblick glich diese einem Flammenmeere. Das Feuer griff, von gutem Winde begünstigt, auf die Nachbarscheunen über, die z. T. bis zum Dache mit Stroh oder ungedroschenem Getreide gefüllt waren. Den Feuerwehren Tolkemit, Cadinen, Konradswalde, Neuendorf, Neukirch und der Kreismotorspritze Elbing gelang es, vier Scheunen zu halten., so daß nur vier gefüllte Scheunen ein Raub der Flammen wurden. Leider fehlte es an Wasser. Jetzt werden Maßnahmen erwogen, wie dieser Übelstand beseitigt werden kann. Kamerad Belgardt zog sich beim Brande eine Verletzung der rechten Schulter zu.

Wir gedenken unserer Toten
Mit jedem Toten, den wir lieben
stirbt ein Teil von uns.
Von jedem Toten, dem wir verbunden sind,
bleibt ein Teil von uns.

Berneis, Margareite, geb Laws, Herrenstr. 22, 81 Jahre, Ehlert, Agnes, geb. Döhring, Vorderhaken 40, 90 Jahre, Fischer, Johannes, Dünhöfer Weg, 80 Jahre, Geerkens, Elenore, geb. Stresau, Hinterhaken 6, 78 Jahre, Gehrmann, Otto, Vorderhaken 6, 76 Jahre, Koy, Klaus, Neukirch-Höher-Str. 44, 72 Jahre, Lemke, Egon, Am Amtsberg 19, 76 Jahrem Liedke, Ernst, Hafenstraße 8, 85 Jahre, Lindner, Johannes, Elbingerstr. 20, 87 Jahre, Lühr, Anni, geb Rehberg, Accisenstr. 14, 80 Jahre, Reifenrath, Brigitte, geb. Gehrmann, Elbingerstr. 5, 85 Jahre, Runau, Johannes, Memeler Str. , 82 Jahre, Schlesinger, Agnes, geb. Goretzki, Richtsteig 3, 86 Jahre, Schubert, Maria, geb. Liedke, Frauenburger Str. 20, 85 Jahre, Vollert, Helene, Ficherstr. 5, 92 Jahre, Roppel, Margarete, geb. Wulf, Mühlenstr. 45, 88 Jahre, Schneider, Rosel, geb. Wulf, Mühlenstr. 45, 88 Jahre, Splieth, Johannes, Neuer Weg 10, 84 Jahre.

Ein Kreuz mit dieser Votivinschrift wurde vor einigen Jahren am Haff gefunden

Im vergangenem Jahr haben wir eine Reihe von Tolkemitern durch Tod verloren, die ihr ganzes Leben lang mit vollem Herzen die Verbindung zu den Menschen aus ihrem Heimatort pflegten. Unseren Dank wollen wir ihnen durch einen besonderen Nachruf zum Ausdruck bringen und unser Andenken an sie in Ehren halten.

Agnes Ehlert, geb. Döring, aus Tolkemit, Vorderhaken 46, verstarb am 16. Februar 2011 im Alter von 90 Jahren.
Schon zu ihrer Jugendzeit war Agnes durch ihre vielen Aktivitäten in Tolkemit gut bekannt. Nach der Fllucht heiratete sie in Horneburg/NE Otto Ehlert und bekam einen Sohn. Bald begannen ihre Tätigkeiten um den Zusammenhalt der Tolkemiter. Es gab wohl kein Treffen ohne Agnes und dazu brachte sie oft ihre Fähigkeiten zu Vorträgen und Laienspielen mit ein. Sie organisierte die ersten Busfahrten nach Tolkemit und anderen Zielen bis ins hohe Alter. Sie hat sich damit große Verdienste erworben. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

Die Bitte vor ihrem Tod lautete: Behaltet mich so in Erinnerung, wie in den schönsten Stunden als ich mit Euch zusammen war.
Hier nich einige Fotos:

Maria Schubert, geb. Liedke aus Tolkemit, Frauenburger Str 20 verstarb am 5. April 2011 im Alter von 85 Jahren.
Wenn es galt, etwas über Tolkemit zu wissen und weiterzugeben, war es bei Maria gut aufgehoben. Sie verteidigte ihr Tolkemit mit großem Einsatz gegen alles, was die Heimat betraf. So wurde ich vor Jahren von einem Herrn aus Kiel mit der Frage konfrontiert: Sagen sie mal, was ist denn dieses Tolkemit bloß für ein außergewöhnlichr Ort? Eine Frau aus Kiel erzählt davon die tollsten Geschichten! Diese Frau war nämlich Maria.

Zuletzt sah ich Maria im Herbst 2010 anläßlich eines Tolkemiter-Treffens in Heikendorf, wie immer war sie mit großem Interesse mit allen Teilnehmern im Gespräch. Eine Krebserkrankung zwang sie schließlich aufs Totenbett. Maria wird uns sehr fehlen. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten.

Anni Lühr, geb. Rehberg aus Tolkemit, Accisenstr. 14, verstarb am 26.April 2011 im Alter von 80 Jahren.

Der Weg führte die Familie Rehberg nach der Flucht nach Winsen/Luhe und das im Verbund mit weiteren Tolkemitern. Dieses Luhdorf/Winsen wurde einige Jahrse später lange Zeit zu einem Zentrum der Tolkemiter Treffen unter der Leitung von Grete und Otto Schulz. Immer war Annil dabei und stellte auch Übernachtungsmöglichkeiten dür die Besucher dieser Treffen zur Verfügung. Über viele Jahre veranstalteten die Winsener Tolkemiter Frauen einige Treffen. Bis zu einem Tolkemiter Treffen im Mai 2010 in Tangendorf war Anni immer dabei, obwohl sie

schon von einem schlechten Gesundheitszustand gezeichnet war. Anni pflegte viele Verbindungen zu Menschen aus Tolkemit und war stets Teilnehmerin der Heimatfahrten mit Agnes Ehlert. Anni verstarb nach schwerer Krankheit in Winsen. Sie wird uns sehr fehlen und deshalb werden wir das Gedenken an sie in Ehren halten.

Jahreslosung 2012
Vom Finden und Bewahren des Glücks
Das Glück zu finden ist so leicht,
doch es zu behalten ist eine Kunst.
Denn was ew`gem Glück reicht ist morgen
schon verschwunden.
Drum teile es mit allen Menschen, die du
kennst und die auch dir
dies`schönste der Gefühle schenken.

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